![]() Drei Wochen mit Pferd- und Handwagen nach Zillertal in Schlesien in Polen gefahren und gegangen sind wir natürlich nicht. Dafür aber mit einem Bus entlang den zum Teil noch vorhandenen alten Poststraßen, einer Pferdeeisenbahntrasse und den Wegen nachgefahren, die die über 400 ausgewanderten Zillertaler im Herbst 1837 ziehen mussten. Säuglinge, schwangere Frauen und ein blinder Greis mit über 80 waren auch dabei. Es war ihnen daheim im hinteren Zillertal nicht erlaubt worden, eine evangelische Gemeinde zu gründen. Wenn sie evangelisch bleiben wollten, mussten sie auswandern und sich wo anders evangelischen Gemeinden anschließen. Der preußische König hatte ihnen Hilfe und im damals wenig besiedelten Hirschberger Tal im Riesengebirge Land und Arbeit angeboten und gegeben.
Die Ethnologin Dr. Annegret Waldner hat unsere Gruppe von Gemeindegliedern und Interessierten sehr sachkundig und interessant geführt. Wir sind zu Fuß einige Strecken nachgegangen und haben uns „Rast“ - Stationen der Zillertaler angesehen, bei denen die Menschen versorgt, aufgenommen oder auch ungastlich behandelt wurden: Reichenhall, Rutzenmoos, Wels, Eferding, Wallern, Freistadt, in der Tschechei Budweis, Iglau, Tschaslau, Königgrätz und im heutigen Polen Schmiedeberg. In Rutzenmoos konnten viele von ihnen in ihrem Leben den ersten öffentlichen, nicht heimlichen evangelischen Gemeindegottesdienst mitfeiern.
Gelandet sind wir in einem jetzt
als Hotel ausgebautem alten Zillertaler Bauernhof im damaligen
Zillertal-Erdmannsdorf, heute Myslakovice. In einer Dorfstraße dort konnten
wir uns entlang von gut erhaltenen
damals gebauten typischen Zillertaler Bauernhäuser fast wie im Zillertal fühlen, aber leider keinen Zillertaler Dialekt hören. Dafür polnisch mit ein paar deutsche Brocken. Besichtigt haben wir auch die Kirche, in der die Zillertaler im November 1837 in einem feierlichen Gottesdienst mit Abendmahl in beiderlei Gestalt in die dortige Gemeinde aufgenommen wurden. Der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm war damals mit dabei. Die Nachkommen der Zillertaler sind 1945 geflüchtet oder vertrieben worden. Das ehemalige Schlesien wurde von Polen besiedelt.
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Bericht: Oswald Keiler Bilder: Kirchenfenster Innsbruck-Christuskirche: St. Becker, sonst Eigenfotos Oswald Keiler, September 2011 |